Wanderung durch die Tripiti-Schlucht – Teil 2

Es wird langsam ernst

Die Reise nach Tripiti – Ein Bericht in drei Teilen von Florian Knaack.

Hinter uns trudelte eine (französische) Wandergruppe ein, die heute den Giglios (über 2000 m) besteigen wollte, eigentlich wollten wir uns lieber schnell vom Acker machen, aber Markus musste ja unbedingt jedem erzählen, wo wir hinwollten und so fiel das Wort Tripiti, und das machte leider die Wanderführerin auf uns aufmerksam. Ich glaube sie war Griechin, vielleicht aber auch Französin. Nun ging natürlich die Diskussion von vorne los, wie wir vorbereitet sind etc., die Gefahren etc. Mich nervte das jetzt ziemlich, denn uns rannte nun auch die Zeit davon. Im Prinzip war es ja ihre Pflicht, aber…

Jedenfalls machte ich ihr schnell klar, dass wir schon alles mit Joseph auf der Kallergi Hütte durchgekaut haben, das schien sie etwas zu beruhigen und sie hat uns dann auch gehen lassen, weil auch sie unser Zeitproblem erkannte, als ich ihr eröffnete, dass wir zumindest das Meer erreichen wollten (Sougia, etwa nochmal über 3 Stunden weiter, hab ich vorsichtshalber mal gar nicht erwähnt). Wir fragten dann, wie lange wir denn ungefähr brauchen würden, wenn wir den Weg „gut“ finden würden… Die Antwort war schockierend: 11-12 Stunden vom Ginglios Sattel stellte sie uns in Aussicht. Ich rechnete schnell hoch, dass wenn wir um 10 oben auf dem Sattel sind, dann um 21/22 Uhr an der Mündung wären. Bevor diese Botschafterin von Hiob noch weiter unseren Mut drücken konnte, verabschiedeten wir uns hastig.

Aufstieg

Der 1640 m Aufstieg

Nun wurde es mit dem vielen Wasser im Gepäck so richtig anstrengend. Der Pfad wurde immer steiler, und bestand nur noch aus fest gestampftem Schotter. Wir wankten dem Sattel entgegen und verloren sogar einmal den Pfad, was mir sehr peinlich war, wegen der Wandergruppe direkt hinter und, ich konnte mir ausmalen, was die Wanderführerin dachte: das schaffen die nie, die verlaufen sich ja schon hier…

Oben auf ca. 1640 m angekommen, war ich dann fast soweit die Tour aufzugeben. Zwar sah es von hier aus gar nicht mal so weit zum Meer aus, aber ich wusste, dass das sehr täuscht und diese Schlucht viele Windungen macht und in Wirklichkeit sehr lang ist.

Wir gingen ein Stück weg vom Weg, um zu beratschlagen, wir wollten auch nicht mehr mit der Hiobs-Gesellschaft nochmal in Berührung kommen. Wir beratschlagten uns direkt neben dem Schild, das wahrscheinlich „empfahl“, hier doch bitte nicht weiterzugehen, ich hatte keine Lust das zu übersetzen, man konnte sich ja ausmalen, dass dort einem ein verfrühtes Ableben in Aussicht gestellt wurde und das brauchte ich mir in meinem mentalen Zustand zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht geben. Ich teilte Markus meine Bedenken mit. Das Zeitproblem, es war mittlerweile schon nach 10 Uhr, nagte am meisten.

Der lange Weg

Die Entscheidung

Wir diskutierten über einen Abbruch. Alternativ könnte man doch den Giglios besteigen, und weil das nun wirklich etwas arg enttäuschend gewesen wäre, weil Markus dort schon war, noch den unwesentlich höheren Nachbargipfel Volakias mitnehmen. Oder einen Wanderpfad, am Strifomadi entlang, der irgendwie auch nach Sougia führte. Aber über den hatte ich mich kaum informiert, ich hatte zwar auch hier den GPS-Track. Wir entschieden uns letztendlich dagegen, weil ich gehört hatte, dass auch dieser Pfad Gefahren birgt und letztendlich hatte Markus den entscheidenden Gedanken: Falls wir doch Probleme bekäme, niemand würde uns auf dieser Route suchen. Da wir keine Lust hatte, uns später enttäuscht Vorwürfe zu machen, haben wir uns entschieden, dass wir es einfach probieren, und wenn es zu schwierig wird, einfach umzukehren. Als Deadline, oder Point Of No Return machte ich ein Zeitfenster von 4 Stunden auf, sollten wir bis dahin kein Land sehen, dann müssen wir zurück, und ansonsten weitergehen…

Ich kallibrierte mein GPS-Gerät nochmal und los ging es. Ich bestimmte in etwa die Richtung, die wir einschlagen müssen. Nicht steil direkt hinunter, dort hatte sich schon mal jemand fast tödlich geirrt, weil er dachte, man könne einfach über die Schotterlawinen in die Schlucht hineinrutschen, das Problem war dann, dass es einfach irgendwann nicht mehr weiterging und auch nicht zurück. Ein Franzose hatte sich hier in einer ähnlichen Situation angeblich aus Verzweiflung das Leben genommen. Also nicht herunter, sondern erst mal ein Stückchen den Hang queren. Als Orientierungspunkt machte ich ein größeres Gestrüpp an einer Hangkante aus. Und siehe da, das war genau die Richtung in die mich der GPS-Track wies, dem wir folgten. Das Vorankommen war deutlich leichter und sicherer als ich befürchtet hatte, denn auf dieser Hangseite befand sich nicht nur loser Schotter, sondern die Route führte uns über blanken, sicheren Fels, was sehr angenehm und beruhigend war. Als wir dann sogar noch so etwas wie einen Pfad fanden, stieg die Motivation wieder mit jedem Schritt. Wir waren dann auch schnell aus dem Blickfeld, der auf dem Sattel rastenden Wandergesellschaft.

Der GPS-Pfad stimmt

Der richtige Weg

Der „Weg“ war erstaunlich klar, und wir gingen exakt auf der GPS-Spur meines „Vorgängers“ Und nun kam mir plötzlich alles vertraut vor, den ich hatte vom oberen Teil eine Wegbeschreibung im lefka-ori.com Forum gelesen. Diese war Teil einer anderen Tour, die über Berggräten westlich der Samaria-Schlucht bis nach Agia Roumeli führt. Ebenfalls eine sehr verlockende Tour und wohl auch nicht wesentlich einfacher. Diese Beschreibung jedenfalls half enorm, so orientierte ich mich an zwei Hügeln, die südöstlich auftauchten und die man laut Beschreibung überqueren sollte.Die Richtung zeigte mein GPS ebenfalls als richtig an.

Auf dem zweiten Hügel, sahen wir nun auf die Mitato Tzatzimou, einer Hirtenbehausung hinab. Ja, die Hirten schienen sogar da zu sein, ich nahm eine Gestalt war und auch zwei Stimmen. Da es sonst so unglaublich still war, hätte ich sie sogar verstanden, wenn mein Griechisch besser gewesen wäre, jedenfalls glaubte ich das. Sie haben uns wohl auch gesehen, was sie wohl über uns gesagt haben. Vermutlich: „das sind sie wieder , die verrückten Germanos. Mir gab das ein gutes Gefühl, weilwir nun wussten, dass uns jemand wohl gesehen hat. Die Mitato lag allerdings nicht auf unserem Weg, von hier mussten wir uns steil nach Süden wenden. Wir machten hier einen Handyempfangstest, der positiv war, Markus rief mich auf meinem Handy an und es klingelte, sehr beruhigend. Er schrieb dann noch eine SMS, ich drängte ihn dann aber zum Aufbruch, weil wir uns einfach keine unnötigen Pausen erlauben durften. Hier platze eine unserer Coca-Cola Flaschen an Überdruck und die andere teilten wir uns dann, bevor diese auch noch explodiert..

Ruine

Die Ruine

Als nächstes passierten wir eine Ruine, auch von dieser hatte ich gehört, und auch die Wanderführerin von vorhin, hatte diese erwähnt, so wussten wir doppelt und dreifach, dass wir richtig sind. Wir kamen bis hier her schnell voran und hier habe ich zum ersten Mal wieder gedacht, wir packen das! Bei der Ruine verloren wir unseren Pfad, und wichen auch etwas vom GPS-Track ab, wenn auch nur wenige Meter. Ich weiß allerdings nicht, ob es in diesem Abschnitt wirklich einen klaren Pfad gibt. Jedenfalls wurde es ab hier deutlich unangenehmer, es wurde wegen der Kiefern unübersichtlicher und wir mussten recht steil bergab. Allerdings gab es zwischen den Bäumen und Dornen auch immer wieder Ziegenpfade, so dass wir ohne größere Gefahr abstiegen. Ab und an musste ich hier unseren Weg korrigieren, hier war der GPS-Track sehr wichtig und hilfreich.

Wir hielten grob auf einen Hügel zu, zwischen den Steilhängen des Volakias und der Schlucht, dieser Hügel war auffällig geformt, wie eine Melone und mit großen, wenn auch etwas kargen Kiefern bedeckt. Eine große Rinne versperrte uns hier den Weg, allerdings führte uns das GPS eh daran entlang nach Süden. Und nun sahen wir auch schon den nächsten Orientierungspunkt: den Grat. Meinen Recherchen zu folge mussten wir diesen Grat einfach nur und bis zu seinem Ende folgen und dort in das eigentliche Flussbett absteigen. Die Tripiti hat zwei quasi unpassierbare Seitenarme, der Trick ist, dass man zwischen ihnen auf bzw. absteigt. Soweit die Theorie. Praktisch konnten wir aber auch problemlos diesen Grat erreichen. Ein gutes Gefühl, so schnell hier hin gelangt zu sein und ohne größere Abweichungen von der Spur. Bisher mussten wir kein einziges Mal umkehren und einen anderen Weg suchen. Noch besser war, dass wir hier plötzlich auf Steinmännchen trafen, also hatte hier jemand den hoffentlich richtigen Trail markiert.

Alte und neue Bäume

Der Gebirgsgrat

So langsam glaubte ich, dass wir heil aus der Geschichte herauskämen. Wir folgten also dem Grat. Es ist wunderschön hier, große knorrige lebendige Bäume, ab und an steht auch ein toter, bizarr verrenkt, stumm wie ein Mahnmal herum. Schroffe, und dann wieder schöne riesige Felsen, an denen wir uns langsam entlang oder darüber hinweg, voran arbeiten. Der Grat wird immer schneidiger und steiler. Ab und an finden wir einen echten Pfad oder eine Markierung. Das ist vor allem eine Motivationshilfe, weil man einfach bestätigt bekommt: hier bist du richtig. Das ist extrem wichtig, es ist allerdings nicht so, dass man den Markierungen folgen kann, dazu sind sie zu selten. Manchmal hilft hier nur das GPS, weil ich dadurch feststellen kann, ob der jehnige einen unüberquerbaren Felsen rechts oder eher linksherum umgangen hat. Das hat uns viel Zeit und Kraft erspart. Ohne dieses Hilfsmittel würde man garantiert das eine oder andere Mal vor einer unübwindbaren Steilwand stehen. Das erste Stück ist recht klar, und einfach zu gehen, und man denkt sich manchmal, warum alle so ein Aufheben um diese Schlucht machen, und man denkt, das man den Grat spielend überwinden kann und schwupps ist man unten und hat es geschafft. Dem ist leider dann doch nicht so. Der Grat wird zunehmend unübersichtlicher, die Hindernisse immer höher, die man umgehen muss, der Pfad, wenn einer da ist, ist manchmal nicht mehr als fußbreit. Der Grat windet sich nach Westen und fängt an heftig zu fallen, nicht allmählich, sondern es geht mal richtig steil runter, dann wieder eine Zeit lang flach. Es zieht sich hin, viel länger als man anfangs denkt. Zudem muss ich nun alle 10 m, das GPS herausholen, um zu bestimmen, wo wir lang müssen, manchmal nehme ich auch die Gefahr auf mich auf und laufe vorsichtig mit dem Gerät in der einen Hand und verfolge unser Vorankommen auf dem Display. Zum Fotografieren habe ich daher keine Zeit, das macht in der Zwischenzeit Markus.

Wir machen nur kurze Trinkstopps, weil ich den Grat gerne schnell hinter mir habe, eine größere Pause können wir uns hier nicht leisten, denke ich, zudem wird es immer wärmer, Gott sei dank ist es auf dem Grat sehr schattig. Der Duft der Kiefern ist betörend, irgendwie verführerische einschläfernd. Es ist sehr still und man hat das Gefühl, dass es hier keine Lebewesen außer uns gibt, vielleicht verstecken sie sich…

Zum Bericht Tripiti Wanderung Teil 1, Tripiti Wanderung Teil 3.

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